Neues zum Ehlener Kirchturm und zur Steinscheune/
Überlegungen zur Geschichte und zum Alter der kirchlichen Gebäude in Ehlen
Der Ehlener Kirchplatz ist der historische Mittelpunkt des Dorfes Ehlen. Hier finden wir den Kirchturm, die Kirche mit der Begräbnisstätte und nördlich davon die alte Steinscheune. Über mehrere Jahrhunderte (ca. 1700-1976) befand sich zwischen diesen beiden älteren Objekten auch die Schule.
Informationen zur Geschichte der betreffenden Gebäude findet man in unterschiedlichen Archivalien und Abhandlungen. Diese weisen aber erhebliche Lücken auf, die unbedingt geschlossen werden müssen.
Dabei sollte man zunächst die Informationen und Daten zu jedem einzelnene Objekt getrennt zuordnen und dann, soweit möglich, diese dann zu einem Gesamtbild zusammenzuführen:.
Die alte Steinscheune
Der Kirchturm
Die Kirchen
Die Schule
Die Steinscheune
die alte Steinscheune ist eine Objekt am Nordrand des Kirchplattzes. Das Gebäude, im Untergeschoss fast ausschliesslich aus Bruchsteinen gemauert, was sicher ein Indiez für das hohe Alter des Objektes ist. Diese weist auf der Südseite ein vermauerten Eingang auf. Dieser wurde, insbesondere wegen des über dem Eingang befindlichen Tympanons, von Fachleuten als Eingang einer Kirche oder Kapelle gedeutet. Auf der Ostseite jedoch, kann man einen größeren, heute vermauerten Rundbogen erkennen, der evtl. als der Eingang zu einem Scheunengebäude angesehen werden kann. Das Obergeschoss ist wesentlich jünger und zwischenzeitlich als Fachwerk ausgebaut.
In der Vita Heimeradi (Lebensgeschichte des Heimerad), die wohl Ende des 11. Jahrhunderts erstellt wurde, wird berichtet, dass dieser Heimerad um 1017 in der Ehlener Kirche gepredigt hat, was man zunächst als gegeben annnehmen muss. Ob dieses Ereignis in diesem Gebäude stattgefunden hat, kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Schwierig wird es dann wenn man den Bau des Kirchturm im 12 Jahrhundert in die Überlegungen einbezieht. Angenommen, die Steinscheune ist tatsächlich das erste Ehlener Kirchengebäude, warum errichtete man den Kirchturm am anderen Ende des Kirchplatzes.
Dazu unten weitere Überlegungen zum Kichturm.
Dafür wiederum, dass die Steischeune tatsächlich über längere Zeit Kirchengebäude gewesen sein könnte, spricht aber, dass man rund um die Steinschene bei verschiedenen Baumaßnahmen menschliche Gebeine in großer Zahl gefunden hat. Das heißt, rund um die Steinscheune war über Jahrhunderte eine Begräbnisstätte und das großflächig. Menschliche Gebeine fand man insbesondere westlich im Garten des Hauses Nr. 41, nördlich beim Bau des Hauses des Frisörs Winzig und südlich bei verschiedenen Baumaßnahmen an der alten Schule in der Mitte des Kirchplatzes. Auch bei einer Probegrabung duch den Archäologen Dr. Sippel unmittelbar am Gebäude traten solche hervor. Es könnte aber auch so sein, dass das Gelände um die Steinscheune weiter über längere Zeit als Begräbnisstätte genutz wurde, obwohl die Kirche an anderer Stelle war, zumal die Begräbnisstätte rund um die heutige Kirche doch sehr begrenzt ist.
Der Kirchturm
Gerhald Seib erwähnt in seinem Buch „Wehrhafte Kirchen in Nordhessen“ auch mehrfach den Ehlener Kirchturm als besonderes Objekt. Er datiert diesen in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (1150-1200). Nun stellt sich die Frage, warum in Ehlen in dieser Zeit ein so gewaltiger Turm errrichtet werden konnte, wer die Kosten trug und das ohne angebaute Kirche. Die Frage wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass das eindeutig romanische Mauerwerk unterhalb des Glockengeschosses von einer besonderen Regelmäßigkeit ausgeführt wurde. Seib schreibt: „Er ist in seiner Regelmägkeit handwerklich besser ausgeführt als das Mauerwerk des romischen Westturms der Altstädter Kirche in Hofgeismar.“ Die Herstellung eines solchen Mauerwerks aus gleichmäßig behauenen Steinen, ist im Gegensatz zu solchen, die mit Bruchsteinen ausgeführt wurden, sicher wesentlich aufwendiger und auch teurer.
Das alles führt zu der Frage, welche Bedeutung hatte die Kirche Ehlen in dieser Zeit insbesondere im Verhältniss zum Kloster Hasungen, dass ein solches besonderes Objekt errichte werden kaonnte. Dazu ist es notwendig die Hasunger Urkunden hinsichtlich der Bedeutung der Ehlener Kirche für das Kloster intensiv auszuwerten.
Die Kirche (n)
Dies wiederum führt zu der Überlegung, dass doch bereits im 12. bzw. 13. Jahrhundert ein Kirchegebäude an der Turm angebaut worden sein könnte und die Steinscheune zu dem wurde, was in verschiedenen späteren Urkunden des Klosters Hasungen immer wieder erwähnt wird.
Dort findet man immer wieder zwischen 1327 und 1504 Hinweise auf einen Hof an dem Kichhof, Bauern im Steinhaus und einen Stall am Kichhof, die jeweils zum Besitz des Klosters gehörten. Man kann vermuten, dass die alte Steinscheune spätestens seit dieser Zeit bereits als das genutzt wird, was der heutige Name aussagt, nämlich als landwirtschaftliches Gebäude bzw. als Teil eines größeren landwirtschaftlichen Anwesens des Klosters .
Daraus könnte man auch schließen, dass das bei der Baumaßnahme 1817 abgerissene Kirchengebäude älter war als bisher angenommen. Es könnte tatsächlich die im 12. oder 13. JH. an den Kirchturm angebaut Kirche gewesen sein oder ein Nachfolgeobjekt von dem wir keine Kenntnis haben. In diesem Zusammenhang könnte auch von Bedeutung sein, dass unter dem Fußboden der alten Kirche im Bereich des heutigen Altars Gräber gefunden wurden. Das sollte aber noch besonders untersucht werden. Dazu ist es unbedigt notwendig, die im Staatsarchiv Marburg vorhandenen Akten zur Vorgeschichte des Kircheneneubaus 1817 noch einmal intensiv zu sichten und nach Hinweisen auf das Alter des abgerisssenen Vorgebäudes zu suchen. Vielleicht finden sich auch noch Hinweise in den Ehlener Kirchenerechnungen, die seit 1627 vorhanden sind und Aufzeichnungen zu Baumaßnahmen in den Jahre 1652/1657 und 1768 enthalten.
Die alte Schule
Zwischen der alten Steinscheune und dem Kirchengebäude befand sich bis 1976 die Ehlener Volksschule. Das stattliche Gebäude wurde 1976 wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen. Zur Geschichte der alten Schule und des Schulwesens in Ehlen wird in den nächsten Wochen hier ein besondere Bericht erscheinen.